Mein Veränderungsprozess

Ich würde Dir gerne von dem emotionalen Verlauf meines Veränderungsprozesses berichten. Ich habe mich dafür vom 7-Phasen-Modell von Richard K. Streich inspirieren lassen. Das Modell wird häufig im Change Management eingesetzt. Es ergibt sich gemessen an der Dauer der Veränderung und der wahrgenommenen eigenen Kompetenz bzw. Leistung eine Stimmungskurve. Der Veränderungsprozess startet bei diesem Modell in der 1. Phase mit dem Schock. Menschen werden mit der Veränderung konfrontiert, damit tritt in den meisten Fällen zunächst der Zustand der Überraschung und des Schocks ein. Ihr seht hier meine persönliche Stimmungskurve. Ich habe von meinem 18. – 29. Lebensjahr für ein und das selbe Unternehmen gearbeitet. 12 Jahre in denen ich 100 %-ige Identifikation spürte, ich mich regelmäßige weiterentwickeln konnte, meine Arbeit und ich anerkannt und wertgeschätzt wurden und ich so tolle Menschen um mich herum hatte. Der Job war mehr Familie als Arbeit. Und was tut man nicht alles für die Familie, man ist ihr gegenüber loyal, man gibt alles, damit es ihr gut geht und man stellt Vieles nicht in Frage, denn es ist ja Familie. Und dann wurde ich träge, hatte keine Motivation mehr, meine Euphorie war verschwunden und meine Leistung fiel ab. Ich kam an meine persönliche Grenze, ich drehte mich im Kreis, war verunsichert und wurde unruhig. Zu der inneren Unruhe kamen Selbstzweifel und der Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug, um woanders zu arbeiten“. Ich verspürte dennoch den Druck, dass ich eigentlich etwas verändern sollte, konnte mir aber nicht vorstellen was. Nach wochenlangem Grübeln, entstand die Frage „Wer bin ich, ohne diese Arbeit?“. Und auf einmal war es als würde ich aufwachen, ich hatte auf diese Frage keine Antwort! Genau in diesem Moment trat der Schock ein, schockiert über die Erkenntnis, dass ich offensichtlich in eine ungesunde Abhängigkeit zu meiner Arbeit stehe. Denn ich habe gedacht, dass ich ohne meine Arbeit nichts wert bin. Welchen Schockmoment hast Du erlebt und wie hast du dich gefühlt?

Vom tiefen Schock hoch in die Phase der Verneinung. Unser Gehirn ist ein Meister der Automatisierung. Das heißt, dass es möglichst viele Prozesse standardisiert und dann abrufen kann, wenn eine gleiche Aufgabe nochmal erledigt werden muss. Und dies bedeutet, dass jede Veränderung eine Prozessänderung hervorruft und damit Arbeit – die unser Gehirn ja am liebsten vermeidet. In dieser Phase fallen häufig Sätze wie „Das kann doch gar nicht sein!“, „Das glaube ich nicht!“. Auch in meiner Veränderung konnte ich nicht glauben, dass ich in einer ungesunden Abhängigkeit zu meiner Arbeit stand. „Mir ging es doch immer gut.“, „Ich muss doch glücklich und zufrieden, mit dem was ich habe sein.“ – Sätze, die ich mir immer wieder einredete. Ich verdrängte den Schock, begab mich zurück in die Arbeit und sammelte alles Positive, was mir über den Weg lief. Und da kam eine ganze Menge zusammen, wie z.B. 

Flexibilität, Entscheidungsfreiheit, tolle Menschen, die mich mögen und anerkennen, die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, Aufstiegschancen, ein sicheres und gutes Gehalt, Sozialleistungen, Weihnachts- und Urlaubsgeld, jedes Jahr ein Geschenk zum Geburtstag und zu Weihnachten, …

Eine endlos lange Liste, die mich in der Phase der Verneinung bestätigt hat. Es kann nicht sein! Das glaube ich nicht! Ich muss damit glücklich sein, ich brauche nichts zu verändern! Wenn ich heute auf die Liste der vermeidlich positiven Dinge schaue, empfinde ich Manches, wie z.B. jedes Jahr ein Geschenk zu bekommen als total banal und Anderes, wie ein sicheres und gutes Gehalt lässt mich weiterhin nicht kalt. Aber mittlerweile weiß ich, dass ich nicht damit glücklich sein MUSS, sondern dass da auch noch andere Sachen sind, die mich so viel glücklicher machen. Wie erlebst Du die Phase der Verneinung?

Nach der Verneinung kommt die Phase der Einsicht, von da aus fährt man durch das „Tal der Tränen“ hinein in die ersehnte Phase des Loslassens. Wer die Phase der Einsicht erreicht, weiß auf rationaler Ebene, dass die Veränderung kommen wird, auf emotionaler Ebene allerdings ist die Veränderung noch nicht ganz akzeptiert. Mit dem Einzug in die Phase des Loslassens ist die Veränderung auch emotional akzeptiert. In dieser Phase ist das Bewusstsein vorhanden, dass man sich selbst verändern muss. 

Beide Phasen sowohl die Einsicht als auch das Loslassen spielen in dem Veränderungsprozess eine große Rolle. Rational wusste ich schon recht früh, dass mir die Veränderung guttun würde, aber wie schon im letzten Post „Die Phase der Verneinung“ beschrieben, haben mich meine Emotionen, meine Glaubenssätze und meine Ängste festgehalten.

Genau in dieser Zeit habe ich mich nach einem Coach umgeschaut. Ich wusste, dass ich es aus der Nummer nicht alleine schaffe und habe mir deshalb jemanden gesucht, der mich genau in dieser Phase unterstützen und bestärken kann. Ich brauchte Methoden um von meiner passiven Haltung in eine Aktive zu gelangen, um meine Ängste zu erkennen und zu verdammen.

Ich brauchte Kraft um durch das Tal der Tränen zu gehen und damit alles Loslassen zu können. Dabei hat mir meine Coach geholfen, wir haben uns meine Lebensbereiche angeschaut, ich habe meine inneren Teammitglieder näher kennengelernt und gelernt zu Vergeben.

Ich habe mein Glück selber in die Hand genommen. Wohl die härteste Zeit, denn ich habe geweint und geweint und geweint. Ich habe aufgeräumt und ausgemistet und mich von einem wichtigen Teil in meinem Leben, meiner Arbeit verabschiedet. Und wir wissen es alle, Abschiede können echt schwer sein! 😉

Und dann kam der Tag an dem ich es einfach wusste… Den Weg, den ich jetzt gehe, den gehe ich nur für mich!

Loslassen kann ich nur empfehlen – Ein wunderschönes Gefühl! 🙂

Nach den großen Emotionen, kommt die Phase des Ausprobierens. Es ist also alles erlaubt und die Neugierde ist geweckt, dass Neue zu erkunden und auszuprobieren. Man erfährt erste Erfolge, die Veränderung zeigt ihre positive Seite und bringt neue Erkenntnisse.

In meinem Fall, habe ich begonnen neue Wege zu gehen. Ich habe im letzten Jahr meinen Job nach 12 Jahren gekündigt und mich somit von alten Mustern verabschiedet und das neugierige Kind in mir geweckt. Ganz nach dem Motto „Geht nicht gibt‘s nicht“ ist es in dieser Phase für mich an der Zeit alles zuzulassen was kommt. Und ich sage euch, wenn Tür und Tor mal offen stehen kommen die Sachen ganz von alleine. 

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Natürlich gibt es auch Rückschläge und alte Glaubenssätze, die mich immer mal wieder bremsen wollen. Aber ich befinde mich mitten in einem kreativen Prozess da gehört es dazu Schleifen zu drehen, wie die Loops in der Kurve zeigen.  Und es macht soooo viel Spaß 😉  Was hast du als letztes Neues ausprobiert? 

Die Vorletzte Phase eines ganz normalen Veränderungsprozess, die Phase der Erkenntnisse. Wir probieren uns aus, gehen erste Schritte, die führen uns zu ersten Erkenntnissen über die Auswirkung der Veränderung und über die eigenen Kompetenzen. Was bringt mir die Veränderung?  Welche Vorteile hat sie? 

Für mich eine schöne Phase, denn umso mehr Erkenntnisse, desto leichter fällt es mir meinen Weg zu finden.

Die Top 5 Erkenntnisse in meinem Veränderungsprozess sind …

1. Ich bin voller Kreativität und Energie. 2. Zeit und Geld in die eigene Entwicklung zu stecken, ist eine INVESTITION! 3. Ich bin stolz auf mich. 4. Nichts, wirklich nichts passiert ohne Grund. 5. Und auch wenn noch immer mein Weg nicht ganz zu sehen ist, ist die Erkenntniss, dass es das auch nicht sein muss. 😉 

Was war deine letzte Erkenntnis? 

Die 7. und somit letzte Phase einer Veränderung ist für mich das Gefühl der vollständigen Entfaltung. Im Change Management würde man sagen “Die Veränderung ist zur Routine geworden, die neue Situation wurde vollständig in das Leben integriert.” Für mich ist die vollständige Entfaltung das Gefühl von Selbstbestimmtheit, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und mit dem gewonnen Zustand zufrieden und glücklich zu sein.

Wie so oft wird nur vergessen, welche Anstrengungen hinter einem liegen! Schon längst hat der Alltag einen wieder eingeholt und der Fokus hat sich anderen Aufgaben zugewendet. Dabei ist es ganz wichtig, die Veränderungen nachhaltig zu verankern und einen Abschluss zu geben, und – vor allem – die vergangenen Veränderungen und neuen Fähigkeiten als Grundlage für die Zukunft zu nutzen.

Jetzt die Gelegenheit nutzen und eine “Lessons Learnt” Liste erstellen. In die Reflexion gehen und über das Gelernte sprechen. Stolz sein und das Gefühl der Entfaltung genießen, es feiern! Die Motivation nutzen, noch mehr an sich zu glauben und in sich zu investieren! 

Entfaltung ist die Entwicklung und Gestaltung eines Prozess. Der Mensch setzt sich mit seiner eigene Reifung auseinander und manifestiert diese. 🤍

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